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Aufs Beste hoffen, fürs Schlimmste wappnen

Aufs Beste hoffen, fürs Schlimmste wappnen

Im Vorfeld der K 2019 hat die europäische Kunststoffindustrie an mehreren Fronten zu kämpfen: Die Wirtschaft bewegt sich insgesamt auf einem gleichbleibenden Niveau, der hinausgezögerte Austritt des Vereinigten Königreichs aus der EU sorgt für Unruhe, wichtige traditionelle Exportmärkte wanken und eine zunehmend drastischere Einstellung der Verbraucher gegenüber Kunststoffverpackungen führen zu übereilten – manche meinen unüberlegten – Maßnahmen seitens der Gesetzgeber, um einen Weg hin zur Kreislaufwirtschaft vorzugeben.

Laut Oliver Möllenstädt, Hauptgeschäftsführer des Gesamtverbands Kunststoffverarbeitende Industrie e.V. (GKV), sei der Umsatz der kunststoffverarbeitenden Industrie in Deutschland im vergangenen Jahr eigentlich um über 3 % gestiegen – und damit etwa doppelt so schnell gewachsen wie das BIP. „Das ist bemerkenswert angesichts dessen, dass sich die Wirtschaft in einem zunehmend ungewissen internationalen Umfeld bewegt“, so Möllenstädt. Doch das solide Wachstum in weiten Teilen der Industrie „darf nicht über die Tatsache hinwegtäuschen, dass die Kunststoffindustrie vor großen Herausforderungen steht. Die Debatte über Kunststoff in der Umwelt, die in den Medien und der Öffentlichkeit teilweise sehr emotional ist, hat erhebliche Folgen für Kunststoffverarbeiter.“ Laut Möllenstädt gehe aus der jährlichen Unternehmensbefragung des GKV hervor, dass die große Mehrheit der Unternehmen betroffen sei. „Aus unserer Sicht entwickelt sich die politische und öffentliche Debatte bisher in die falsche Richtung“, so Möllenstädt. „Die EU-Kommission und die Regierungen der einzelnen Länder versuchen, mit symbolischen Gesten, wie der Einschränkung der Nutzung von Einwegkunststoff (SUP) und Plastiktüten, auf die Bedenken der Verbraucher einzugehen. Diese Vorgehensweise mag zwar die öffentliche Diskussion auf kurze Sicht beruhigen und den Eindruck vermitteln, dass viel getan wird, doch im Hinblick auf die Umwelt und Nachhaltigkeit zeigt sie nicht die gewünschte Wirkung.“

Der Kunststoffindustrie in Europa „droht ein böses Erwachen“, meint Martin Wiesweg, Leiter des Bereichs für Chemikalien (PS, EPS und PET) bei IHS Markit. „Die Branche verzeichnete jahrelang ein gemäßigtes und doch beständiges Wachstum sowie solide Erträge, leistete einen herausragenden Beitrag zu Produkt- und Prozessinnovationen und der Schaffung von Arbeitsplätzen und bereicherte das Leben der Menschen durch Zweckmäßigkeit, Komfort und Ästhetik. Doch sie verliert zunehmend die Gunst der Öffentlichkeit. „Grund für diese Dissonanz ist die große Kunststoffabfallproblematik. Verbraucher und Behörden in Europa gehen immer schneller und verschärfter Hand in Hand gegen Kunststoffe vor und ergreifen umfassende Maßnahmen, um deren Nutzung einzuschränken und eine strikte Abfallhierarchie zu befolgen“, so Wiesweg. „Die Tatsache, dass die Behörden bereit sind, das Risiko einzugehen, Verbrauchern erhebliche Kosten und Unannehmlichkeiten zu verursachen, zeigt, wie sehr die positive Haltung der Öffentlichkeit gegenüber Kunststoffen bröckelt.“

Laut Thorsten Kühmann, Geschäftsführer des deutschen Fachverbands Kunststoff- und Gummimaschinen VDMA, erfreuten sich europäische Hersteller von Kunststoff- und Gummimaschinen in den zurückliegenden 10 Jahren einer sehr guten Entwicklung mit einer nahezu Verdoppelung des Branchenumsatzes. Der Wendepunkt ist jetzt erreicht und auf das Jahr 2019 gerechnet prognostiziert der VDMA ein Umsatzminus von 10 Prozent für deutscher Hersteller von Kunststoff- und Gummimaschinen. „Grund hierfür ist zum einen der zyklische Abschwung, der nach zehn Jahren des Wachstums überfällig war. Dieser Abschwung wird jedoch verstärkt durch die hohe Verunsicherung, die derzeit im Automobilbereich herrscht. Bei den Investitionen besteht hier gewissermaßen Stillstand. Aber auch im Verpackungssektor wird der Einsatz von Kunststoffen immer stärker hinterfragt. Hier schlägt das schlechte Image, das dem Kunststoff heute anhaftet, voll durch“, erläutert Kühmann und ergänzt: „Zum anderen sorgt der Handelskonflikt zwischen den USA und China für weltweite Verschiebungen in den Lieferketten und verunsichert die Märkte spürbar. In Europa bestehen zudem Unwägbarkeiten auf Grund der weiterhin unklaren Modalitäten über den EU-Austritt Großbritanniens sowie der immensen Staatsverschuldung in Italien.“

Engel, einer der großen europäischen Maschinenproduzenten, der sich auf Spritzgießmaschinen spezialisiert hat, gibt ab, seine Umsätze seien im Geschäftsjahr 2018/19 um rund 6 % gestiegen und bezeichnet dieses Wachstum als moderat. Doch nun befindet sich der Markt im Seitwärtstrend. „In Europa bewegt sich vor allem die DACH-Region weiterhin auf einem guten Niveau. Doch wir bemerken seit dem letzten Quartal 2018 einen deutlichen Produktionsrückgang in der deutschen Automobilindustrie. Noch ist unklar, wie sich der Brexit, Strafzölle und Sanktionen sowie die Debatte über Einschränkungen für Dieselfahrzeuge und Dieselfahrverbote auswirken.“ Das Unternehmen erklärt, dass zunehmend niedrigere Grenzwerte für Fahrzeugemissionen den Einsatz von Kunststoffen begünstigen, da Kunststoffe das ideale Material für die Gewichtsreduktion sind. Die EU geht seit Langem rigoros gegen Stickstoffoxid-, Kohlenwasserstoff-, Partikel- und Kohlenmonoxidemissionen vor und regulierte kürzlich auch CO2-Emissionen. Zwischen 2012 und 2015 wurde für Pkw dabei schrittweise ein Ziel von 130 g/km eingeführt. Ab 2021 gilt das neue Ziel von 95 g/km.

Die Kreislaufwirtschaft erweist sich als starker Motor für Innovationen auf Seiten der Maschinenhersteller und Kunststoffunternehmen. „Da die Qualität von recyceltem Material in der Regel unbeständiger ist als die von Neumaterial, kam Recyclingmaterial für viele Anwendungen bisher nicht in Frage“, so Engel. „Intelligente Assistenzsysteme – eine zentrale Funktion der Industrie 4.0 – sind im Begriff, das zu ändern.“ Auf der K 2019 stellt Engel erstmals seine intelligente Softwarelösung „iQ weight control“ in der Praxis vor. Zum Einsatz kommt dabei Recyclingmaterial. Die Software überwacht das Spritzgießverfahren Schuss für Schuss und gleicht Schwankungen automatisch und in Echtzeit aus.

 

Quelle: K 2019

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