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Rheintacho: Die Drehzahlsensor-Experten

Rheintacho: Die Drehzahlsensor-Experten

Um den Leistungsbedarf von Hydraulikantrieben zu erfassen und diese möglichst präzise zu regeln, werden Drehzahlsensoren eingesetzt. In mobilen Anwendungen müssen diese Sensoren widrigsten Umgebungsbedingungen widerstehen. O+P Fluidtechnik hat mit der Rheintacho Messtechnik GmbH in Freiburg einen Hersteller solcher Erfassungskomponenten besucht, und uns über Technik, Trends und Perspektiven informiert.

Die Rheintacho Messtechnik GmbH wurde 1901 ins Leben gerufen, zunächst als Handelsunternehmen, später begann die Entwicklung zum Komponentenhersteller mit der Konstruktion von Tachometern. Auch heute fertigt Rheintacho noch Tachometer, dieses Segment macht jedoch nur noch einen kleinen Teil der Fertigung aus. Den Löwenanteil der Produktion bildet inzwischen das umfassende Drehzahlsensor-Portfolio des Freiburger Unternehmens.

Mit der zunehmenden Automatisierung von Maschinen und ­Anlagen gewinnt die Sensorik an immer größerer Wichtigkeit. ­Sensoren sind als Sinnesorgane zuständig für die Erfassung des Maschinenzustandes. Drehzahlsensoren erfassen, wie der Name schon sagt, die Drehzahl von Antrieben. Darüber hinaus können inzwischen jedoch zusätzliche Messgrößen integriert werden, z. B. die Drehrichtung oder die Temperatur.

Heavy-Duty-Einsatz

Rheintacho hat sich früh entschieden, keine Sensoren „von der Stange“ zu entwickeln. Rheintacho-Drehzahlsensoren werden für den extremen Einsatz entwickelt: Sie müssen Hitze, Kälte, Dreck oder auch aggressiven Medien widerstehen – typischerweise in Achs- und Fahrantrieben, in Drehtürmen oder der Lüfterkontrolle von Bau-, Land- und Kommunalmaschinen, Flurförderzeugen, Windkraftanlagen oder Prüfständen. Und das nicht nur für eine Saison.

Jörn Strasser, Vertriebsspezialist für Mobilhydraulik-­Anwendungen bei Rheintacho, betont: „Wir gehen davon aus, dass der Sensor die Maschine mindestens zweimal ‚überlebt‘. Wir ­bezeichnen uns als Anti-Obsoleszenz-Unternehmen. Unsere Produkte sind gebaut, um extrem lange zu halten.“

Zudem entwickeln die ­Breisgauer zum Großteil kundenindividuell, zum Teil bis in ­Kleinstserien hinein.

Auch das ist eine große Stärke der Sensorikschmiede: ­Gemeinsam mit dem Kunden Lösungen zu entwickeln, sei es mit Hydraulik- oder Maschinenherstellern. „Oft werden wir von Unternehmen angesprochen, die bei anderen Herstellern ­abgeblitzt sind. Anforderungen, die extrem spezifisch, oder ­außergewöhnlich sind, werden häufig an uns herangetragen. Weil die Firmen wissen, dass wir das nötige Know-how und vor allem auch den entsprechenden Qualitätsanspruch haben“, weiß Wolfgang Sexauer, Marketing- und Vertriebsleiter bei Rheintacho.

Klasse statt Masse

Der Qualitätsgedanke ist neben der kundenbezogenen Entwicklung ein weiteres Plus der Sensorikschmiede. Dieser zieht sich vom Inhaber (Rheintacho ist ein familiengeführtes Unternehmen) bis zum Werker in der Produktion. Rheintacho legt größten Wert auf Dokumentation, Einhaltung aller nötigen (Sicherheits-)Standards und die Qualitätskontrolle. Das hat auch mit den flachen Hierarchien im Unternehmen zu tun, meint Wolfgang Sexauer: „Bei uns weiß jeder Mitarbeiter, dass er, wenn ihm ein Problem in einem unserer Prozesse oder an einem unserer Produkte auffällt, damit sofort auch zum Leitungspersonal gehen kann und entsprechend gehört wird. Wir ergreifen sofort Maßnahmen, um die Situation zu lösen. Maximale Qualität ist das, was die Kunden immer wieder zu uns zurückkehren lässt.“

Die Qualität kommt nicht von ungefähr. Rheintacho Drehzahlsensoren sind in Bezug auf die Fertigungstechnologie ausbalancierte Produkte aus  Handarbeit, made in Germany und dem, soweit sinnvoll, Einsatz von automatisierten Prozessen. Zwar hat das Unternehmen sich inzwischen auch stark internationalisiert – es gibt Standorte in England, China, USA, Frankreich sowie ein Joint-Venture mit einem Montage-Dienstleister in Tschechien – Stand heute werden jedoch alle Sensoren am Standort Freiburg endmontiert und endgeprüft. Knapp 100 Mitarbeiter fertigen die hochpräzisen und robusten Drehzahlfühler.

Rheintacho Sensor Montage

Auch Handarbeit ist Qualitätsarbeit. Rheintacho beherrscht die Prozesse von der manuellen bis zur vollautomatischen Verarbeitung.

Die richtige Technik

Messprinzipien gibt es bekanntermaßen einige. Rheintacho hat sich früh für den Einsatz von Hall-Sensoren zur berührungslosen Drehzahlerfassung entschieden. Sie bieten einerseits die nötige ­Robustheit, die Einsätze in mobilen Arbeitsmaschinen fordern, aber v. a. auch die entsprechende Präzision. „Induktive Sensoren würden bei extrem langsamer Fahrt beispielsweise das Signal ­verlieren. Das passiert mit Hall-Sensoren nicht. Wir setzen zum Teil auch zwei Hall-Elemente ein, um das Signal noch präziser und ­sicherer auswerten zu können“, erklärt Jörn Strasser. Auch in der Montage hat das Rheintacho-Flanschdesign der Sensoren Vorteile. Eine fehlerhafte Integration ist nahezu ausgeschlossen – im Gegensatz zu Sensoren, die in einer bestimmten Tiefe in ein Gewinde ­geschraubt werden müssen. 

Solche Lösungen entstehen bei Rheintacho auch aus eigenem Antrieb. Die Innovationskraft ist groß. „Wenn wir für uns entscheiden, eine neue Technologie oder ein neues Fertigungsverfahren zu erproben, dann verfolgen wir dieses Ziel bis wir unsere Wissbegierde befriedigt haben. In einem solchen Fall braucht es auch keinen Kundenauftrag, das stemmen wir dann selbst, um später aus diesem Wissensvorsprung Gewinn zu schlagen. Ein Beispiel dafür ist der Einsatz von Ultraschallschweißen. Mit dieser Fertigungsmethode haben wir uns sehr früh beschäftigt, auch ohne Kundenforderung. Inzwischen haben wir einen unserer größten Aufträge dank unserer Expertise in diesem Bereich gewonnen.“

Auch für künftige Trends hat Rheintacho schon die entsprechenden Pfeile im Köcher. Sehr früh hat Rheintacho die Pulsweiten­modulation (PWM) aufgegriffen – eine Technologie, die aus dem Automotive-Bereich kommt. Rheintacho hat diese auch für mobile Arbeitsmaschinen einsatzfähig gemacht. PWM ermöglicht ­beispielsweise die Überwachung der gesamten Messstrecke bis in den Sensor hinein. Kabelbruch oder Beschädigungen am Sensor selbst können mit dieser Technologie frühzeitig erkannt werden. Momentan ist dies in mobilen Arbeitsmaschinen noch wenig verbreitet, aber das wird sich künftig ändern, sind sich Sexauer und Strasser sicher.

Rheintacho ist für die Zukunft gut gerüstet. Technologie-Trends greift die Sensor-Manufaktur frühzeitig auf, für künftiges Wachstum ist man mit dem Montagewerk-Joint-Venture in Tschechien gewappnet. Dass Rheintacho wachsen wird, daran hege ich keinen Zweifel. Das sympathische Unternehmen hat mich mit seinem Mix aus Innovation und Qualität überzeugt. Und die gesellschaftliche Verantwortung, die Rheintacho sehr ernst nimmt, hat mich sehr beeindruckt. Denn Rheintacho strebt den Erfolg nicht um jeden Preis an. Der Mitarbeiter bildet die Basis des Unternehmenserfolgs und das zeigt sich sehr eindrucksvoll im Leitbild des Unternehmens. Das lautet nämlich: „Erfolg haben und Mensch bleiben.“

Peter Becker, Redaktion O+P Fluidtechnik

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Veröffentlicht von

Peter Becker

Digitalisierungs- und VR-Enthusiast. Wie sich die vergleichsweise „alte“ Fluidtechnik in das Anforderungsprofil Industrie 4.0 einfügt, fasziniert mich, und macht die Arbeit in und mit der Branche sehr reizvoll.

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