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Denkfabrik

Software macht mobil

13.05.2026
von Redaktion O+P Fluidtechnik
Mobility-Sonderausgabe 01/2026, S. 24 f.: Denkfabrik zum Thema Software macht mobil - mit Statements von B&R, Parker Hannifin, Innok Robotics und RWTH Aachen

Für die Denkfabrik in der Mobility-Sonderausgabe 01/2026 hat die Redaktion Experten aus Industrie und Wissenschaft zum Thema softwaredefinierte Mobilität befragt. B&R, Innok Robotics, Parker Hannifin und RWTH Aachen haben Experten-Statements beigetragen, die hier nun auch online erscheinen – online ergänzt um zwei weitere Statements von Parker Hannifin und von STW Sensor-Technik Wiedemann, die in der Print-Ausgabe nicht berücksichtigt werden konnten.

Von updatefähigen Steuerungen über autonome Funktionen bis hin zu datengetriebenen Services: Software wird zum Differenzierungsmerkmal mobiler Arbeitsmaschinen. Beschreiben Sie, wie dieser Wandel Entwicklung, Betrieb und Geschäftsmodelle im Off-Highway-Bereich verändert und wo die größten Hürden auf dem Weg zur softwaredefinierten mobilen Maschine liegen.

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Folgende Experten haben Statements zur Denkfabrik beigetragen:

  • Sridharan Rangarajan, Global Product Group Manager – Software bei B&R Industrial Automation
  • Alwin Heerklotz, CEO, CTO und Gründer von Innok Robotics
  • Andreas Lengnowski, Division Market Manager, Hydraulic Actuator Division Europe bei Parker Hannifin
  • Christoph Schießer, Application Engineer Mobile Electronics & Electrification, Sales Company West bei Parker Hannifin
  • Michael Huber, Head of Business Unit Software Solutions, STW Sensor-Technik Wiedemann
  • Univ.-Prof. Dr.-Ing. Lutz Eckstein, Leiter des Instituts für Kraftfahrzeuge (ika) an der RWTH Aachen und Präsident des VDI

Statements

Sridharan Rangarajan

Global Product Group Manager – Software bei B&R Industrial Automation

Maschinen lassen sich durch Updates erweitern

Softwaredefinierte Automatisierung entwickelt sich bei mobilen Maschinen zunehmend zu einem zentralen Ansatz, da sie die Steuerungsfunktionen von spezifischer, dedizierter Hardware entkoppelt. Dadurch lassen sich Maschinen durch Software-Updates anpassen, erweitern und optimieren, ohne mechanische oder elektrische Änderungen vornehmen zu müssen. In diesem Umfeld ist die Kombination aus funktionaler Sicherheit (Schutz vor Ausfällen) und Cybersecurity (Schutz vor unberechtigtem Zugriff) von entscheidender Bedeutung. Das Mobile Automation Portfolio von B&R kombiniert Hardware und Softwarelösungen zu einer modularen, updatefähigen und vor allem adaptiven Automatisierungsplattform mit funktionaler Sicherheit und Echtzeitfähigkeit. Integrierte Cybersecurity Mechanismen unterstützen Maschinenhersteller bei der Umsetzung der Anforderungen des Cyber Resilience Act (CRA) für ihre mobile Maschinen.

Alwin Heerklotz

CEO, CTO und Gründer von Innok Robotics

Stabile Schnittstellen sind enorm wichtig für Evolution

Als Hersteller autonomer mobiler Roboter, die auch outdoor und im Brownfield im Einsatz sind, entwickeln wir die Funktionen unserer Produkte völlig unabhängig von der Hardware immer weiter. Systeme wie unser Transportroboter Innok Induros oder der Bewässerungsroboter Innok Rainos erhalten so auch nach der ersten Auslieferung kontinuierlich neue Fähigkeiten. Das Produkt ist damit im Wesentlichen durch die Software definiert. Maschinen veralten nicht mehr nach dem Kauf, sondern lernen durch intelligente Updates stetig dazu. Das schafft höchste Zukunftssicherheit und ermöglicht neue Geschäftsmodelle. Für diese Evolution sind stabile Schnittstellen enorm wichtig. Bei jeder Softwareänderung muss eine lückenlose Abwärtskompatibilität mit allen Geräten im Feld berücksichtigt werden. Nur wer Automatisierung ganzheitlich denkt, liefert praxistaugliche Lösungen wie Innok.

Autonome mobile Transport- und Bewässerungsroboter von Innok Robotics

Alwin Heerklotz, CEO, CTO und Gründer von Innok Robotics

Alwin Heerklotz, CEO, CTO und Gründer von Innok Robotics mit den autonomen mobilen Transport- und Bewässerungsrobotern (Bild: Innok Robotics)

Andreas Lengnowski

Division Market Manager, Hydraulic Actuator Division Europe bei Parker Hannifin

Differenzierung durch Software in der Asset Adminis­tration Shell

Im Off-Highway-Bereich wird Software in der Verwaltungsschale (AAS) zum Differenzierungsmerkmal: Updatefähige Steuerungen, Funktionsfreischaltungen, Assistenz/Autonomie und datenbasierte Services lassen sich über den Digitalen Zwilling, wie zum Beispiel Parker ihn anbietet, schneller entwickeln, ausrollen und über den Lebenszyklus betreiben. Die Entwicklung verschiebt sich hierbei zu modellbasierter Architektur, standardisierten APIs/Datenmodellen und DevOps für Embedded/Edge. Im Betrieb ermöglichen AAS Identität, Zustandsdaten und sichere Over-the-Air-Updates (OTA) höhere Verfügbarkeit, Predictive Maintenance und Modelle wie Pay per Use oder Service Bundles. Voraussetzungen sind durchgängige Cybersecurity und Safety, Cloud/Edge Infrastruktur, Traceability sowie Daten und Update Governance zwischen OEM, Zulieferern und Betreibern. Zu den Hürden zählen weiterhin Legacy Plattformen, heterogene Flotten, Regulierung/Haftung, Skill Gap, IP-Schutz und Change Management im Feld.

Christoph Schießer

Application Engineer Mobile Electronics & Electrification, Sales Company West bei Parker Hannifin

Wettbewerb verlagert sich von Hardwareleistung hin zu Plattform- und Lifecycle-Kompetenz

Software wird im Off-Highway-Bereich zum zentralen Differenzierungsmerkmal: Updatefähige Steuerungen, Assistenz-/Autonomiefunktionen und datenbasierte Services verlagern den Wettbewerb von Hardwareleistung hin zu Plattform- und Lifecycle-Kompetenz. In der Entwicklung dominieren modulare Softwarearchitekturen, durchgängige Toolchains, automatisiertes Testen sowie Safety & Cybersecurity-by-design. Im Betrieb gewinnen Remote-Diagnose, Zustandsüberwachung und planbare Updates an Bedeutung; Geschäftsmodelle verschieben sich zu Feature-Paketen, nutzungs- und verfügbarkeitsbasierten Services. Als Referenz zeigt Parker IQAN, wie eine skalierbare Mobilsteuerungsplattform Standardisierung, Wiederverwendung und Diagnose über Maschinenfamilien unterstützt. Zu den größten Hürden zählen die Varianten- und Validierungskomplexität, Legacy-Architekturen, Security/Haftung sowie Konnektivität und Change Management beim Betreiber.

Michael Huber

Head of Business Unit Software Solutions, STW Sensor-Technik Wiedemann

Cyber Security und funktionale Sicherheit sind essenziell

Software ist in der Automatisierung von mobilen Arbeitsprozessen das A und O, das ist nichts Neues. Nicht nur durch die zunehmende Relevanz von (auch cloudbasierter) KI zur Erhöhung von Sicherheit und Produktivität, steigt jedoch die Komplexität. Riesige Datenströme müssen gemanagt werden, Cyber Security und funktionale Sicherheit sind dabei essenziell. Maschinenhersteller, die das Potential dieser Daten nutzen wollen, müssen sich diesen gestiegenen Anforderungen stellen, sollten jedoch nicht in Silos denken. Dank Hardware- und Softwareplattformen, die „by Design“ Lösungen für Anforderungen dieser Art bieten, existiert ein effizienter und konstruktiver Weg zur Realisierung softwaredefinierter Anwendungen, die gleichzeitig größtmöglichen Schutz vor Cyber Attacken ermöglichen. Wir entwickeln die Lösungen, die es OEMs einfach machen, Software- und KI-Bausteine flexibel, sicher und effizient zu integrieren – und unterstützen bei Bedarf auch mit unserem Team von Spezialisten.

Univ.-Prof. Dr.-Ing. Lutz Eckstein

Leiter des Instituts für Kraftfahrzeuge (ika) an der RWTH Aachen und Präsident des VDI

Open-Source-Software sollte frühzeitig einbezogen werden

Software spielt in Zukunft eine noch wichtigere Rolle – sowohl im Off-Highway-Bereich, als auch bei Straßenfahrzeugen. Kunden erwarten, dass mobile Arbeitsmaschinen wie Smartphones funktional aktualisiert und mit neuen Funktionen ergänzt werden können. Wirtschaftlich wird das nur möglich, wenn das Potential von KI schon in der Funktionsentwicklung genutzt wird. Das Backend muss umfangreiche Maschinendaten sammeln, aufbereiten und zur Generierung neuer Funktionen sowie zur Aktualisierung bestehender Features verwenden können. Voraussetzung ist eine skalierbare Hardware- und Software-Architektur, die von einzelnen Maschinen über Flotten bis in das Backend des Herstellers reicht und den Betreiber einbindet. Eine große Hürde sind die notwendigen Investitionen: Analog zu den aktuellen Entwicklungen in der Automobilindustrie sollte das Potential von Open-Source-Software frühzeitig in die Betrachtung einbezogen werden, da diese global einsetzbar ist und der Aufwand dadurch geteilt werden kann. Die zweite Hürde liegt weniger in der Technik als bei uns Menschen: Dieser Wandel erfordert neue Kompetenzen, auch zwischen Wettbewerbern. Wir Universitäten unterstützen gerne den Kompetenzaufbau, der VDI könnte eine neutrale Plattform für den Austausch bieten und Kooperationen moderieren.

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Bilder: B&R, Innok Robotics, Parker Hannifin, RWTH Aachen

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