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Gebläsescheuchen bei Grünlandmahd

Technologie für Insektenrettung

13.08.2026
von Redaktion O+P Fluidtechnik

Wenn das Mähwerk durchs hohe Gras fährt, beginnt für zahllose Insekten ein makaberer Wettlauf. Denn schaffen sie es nicht rechtzeitig aus der Gefahrenzone, werden sie vom Mähwerk erfasst und getötet. Millionen Insekten sterben so jedes Jahr bei der Mahd von Grünland. Auf den Versuchsfeldern der Universität Hohenheim in Stuttgart suchen Forschende deshalb nach Möglichkeiten, diese Verluste zu verringern und so die Artenvielfalt zu schützen. Ihre Idee: Insektenscheuchen, die Tiere unmittelbar vor den tödlichen Mähwerken aus der Gefahrenzone retten. Erste Ergebnisse stimmen optimistisch: Vor allem eine Gebläsescheuche scheint viele Insekten erfolgreich zu verscheuchen.

Grünland kann zu den besonders artenreichen Flächen zählen. Doch gerade hier sterben bei jeder Mahd Millionen Zikaden, Fliegen, kleine Wespen, Spinnen und andere wirbellose Tiere. Dabei geht es nicht nur um das Überleben der Insekten: „Insekten stehen am Beginn der Nahrungskette vieler Tiere“, erklärt Prof. Dr. Johannes Steidle. „Das aktuelle Insektensterben führt unmittelbar dazu, dass zum Beispiel Vögel, Amphibien oder Fledermäuse keine Nahrung mehr finden.“

Ein Forschungsteam der Universitäten Hohenheim (Fachgebiet Chemische Ökologie, Fachgebiet Grundlagen der Agrartechnik) und Tübingen (AG Evolutionsbiologie der Invertebraten) will die Insekten vor der rollenden Todesfalle zukünftig schützen. „Wir haben bereits in zahlreichen Versuchen im Vorgängerprojekt ‚InsectMow‘ festgestellt, dass sich am Mähwerk selbst nur wenig zum Positiven verändern lässt“, erklärt Projektleiter Prof. Dr. Johannes Steidle, Leiter des Fachgebiets chemische Ökologie an der Universität Hohenheim. „Deshalb verfolgen wir einen anderen Ansatz: Wir versuchen, die Insekten zu retten, indem wir sie unmittelbar vor dem Mähwerk wegscheuchen.“

Dafür testen die Forschenden zwei unterschiedliche Systeme: Eine sogenannte Bügelscheuche fährt mit Metallzinken durch den Grasbestand und bringt die Tiere dazu, wegzuspringen, wegzufliegen oder sich auf den Boden fallen zu lassen. Die sogenannte Gebläsescheuche hingegen arbeitet mit Luft: Ein quer vor dem Mähwerk montiertes Gebläse pustet die Insekten aus der Gefahrenzone.

Die Bügelscheuche fährt mit Metallzinken durch das Gras und bringt Insekten dazu, sich selbst in Sicherheit zu bringen. | Bild: Universität Hohenheim / Frank Roller (unger+)

Die Gebläsescheuche: Eine vielversprechende Kandidatin
Ob die Scheuchen tatsächlich funktionieren, untersuchen die Forschenden in Feldversuchen. Dazu mähen sie eine standardisierte Fläche mit einer der beiden Techniken und fangen unmittelbar darauf alle verbleibenden Insekten, indem sie Quadratmeter große Gazewürfel (auch Biozönometer genannt) auf die Fläche stellen, die sie dann mit einem umgebauten Laubbläser leersaugen. Zusätzliche Netze über und neben dem Mähwerk fangen Tiere auf, die über das Mähwerk flüchten oder zur Seite wegspringen.

Bei der Gebläsescheuche pustet ein quer vor dem Mähwerk montiertes Gebläse die Insekten aus der Gefahrenzone. | Bild: Universität Hohenheim / Frank Roller (unger+)


Die Untersuchungen zeigen auch, wie vielfältig das Leben im Grünland tatsächlich ist. Auf einem einzigen Quadratmeter Grünland finden sich nämlich häufig mehrere Hundert Zikaden, Fliegen, Mücken oder parasitische Wespen. Teilweise konnten die Forschenden in Einzelproben sogar mehr als 1.000 Zikaden auf einem Quadratmeter nachweisen.

Langfristig sollen Insektenscheuchen zum Standard bei der Grünlandmahd werden. Zunächst richtet sich das Vorhaben vor allem an den ökologischen Landbau. Perspektivisch könnten die Systeme jedoch in der gesamten Landwirtschaft eingesetzt werden und so helfen, die Insektenverluste auf Wiesen deutlich zu verringern. Das Forschungsprojekt verbindet Agrartechnik und Biodiversitätsforschung an der Universität Hohenheim. Während Ingenieure die Mähtechnik weiterentwickeln, untersuchen Biolog:innen das Verhalten der Insekten und bewerten den Erfolg der verschiedenen Systeme. Gemeinsam wollen sie einen Beitrag leisten, die Artenvielfalt in der Landwirtschaft wirksam und praxistauglich zu schützen.

 

Quelle: Universität Hohenheim; Bilder: Uni Hohenheim/Frank Roller

 

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